Alta Badia hat dank seiner Lage und geologischen Struktur eine eigentümliche, reiche Flora aufzuweisen. Für Urlauber und Wanderer ist es oft ein eindrucksvolles Erlebnis, den Artenreichtum der hochalpinen Vegetation kennenzulernen, Formen, Farben und Strukturen anmutender Pflanzen wiederzuerkennen, die seit Jahrtausenden einen hartnäckigen Existenzkampf führen und ein beeindruckendes Anpassungsvermögen entwickeln konnten.
Man findet hier die schönsten Wiesenblumen, während im Felsbereich und auf Schotterhalden Alpenblumen von lebhaften und zarten Farben wachsen.Schon bald nach der Schneeschmelze erscheinen auf den Wiesen die ersten Krokusse, die dann Ende Mai ausgedehnten Löwenzahn-Teppichen weichen. Wo die Wiesen feuchter sind, erblickt man den Frühjahrsenzian, Primeln und Ranunkeln, ja sogar das Alpenglöckchen. Die Almwiesen sind mit Anemonen bedeckt. In den Wäldern machen Heidekraut und Leberblümchen auf sich aufmerksam.
Die schönste und reichste Jahreszeit für die alpine Flora reicht jedoch vom Monat Juni bis zum August. Dann blühen nämlich die Aurikeln, verschiedene Arten von Enzian, das Kohlröschen, das Steinröschen, der Steinbrech, die Akelei, die Glockenblume, der Türkenbund und die Feuerlilie. Die Hänge der Berge leuchten im Rot der Alpenrosen auf. An die unwegsamsten Felsen klammern sich grüne Polster, die mit leuchtenden Sternenblümchen durchsetzt sind. Es ist der Mannsschild. Im hochalpinen Raum erblickt man auch noch das Edelweiß und das rote Fingerkraut.
Aus den Felsspalten ragen die Felsrapunzeln. Selbst dicht an der Vegetationsgrenze überleben Blumen wie die Clusius-Primel, die Alpenaurikel, die Teufelskralle, das Alpenleinkraut, der Alpenmohn, der Alpen- und Gletscherhahnenfuß, die Edelraute, das stengellose Leimkraut, der Moschus-Steinbrech, die Alpennelke und die Zwergalpenrose.
Im Wechsel der Jahrtausende haben sich am Berg eine Harmonie und ein natürliches, jedoch äußerst zartes, Gleichgewicht entwickelt, die nicht gestört werden dürfen. Jede abgerissene Blume, jede entfernte Wurzel bedeutet ein für immer zerstörtes Leben. Abgesehen von den Geldstrafen, die bei absichtlicher Verletzung des alpinen Biosystems fällig sind, steht es also jedem verantwortungsbewußten Bergsteiger zu, die Eigenart dieser Höhenwelt zu schätzen und zu respektieren.