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Eine Geschichte, die vor 300 Millionen Jahren begann
Das älteste Gestein in unserem Gebiet sind die Quarzphyllite - metamorphes Gestein welches im unteren Gadertal, nördlich von St. Martin ansteht. Es handelt sich hier um Gestein welches in tieferen Lagen der Erdkruste hohen Temperaturen und einem starken Druck ausgesetzt war und sich dadurch physisch und chemisch verändert hat. Später dringt das Meer von Osten kommend bis in das Dolomitengebiet vor und verschiebt die Küstenlinie weiter westwärts bis zum Etschtal: aus dieser Zeit ist die Bellerophon Formation (Kreide und dunkle, fossilienführende Kalke). Im Laufe der Trias -250 Millionen bis 210 Millionen Jahre zurück. - haben wir verschieden, besonders für unsere Gegend interessante Neubildungen, z.B.: die Werfner Formation, die Livinallongo Formation, die Cassianer Formation, die Wengener Schicheten und, für unsere Gegend von besonderer Bedeutung, das Hauptdolomit.In der Unterkreide, ca. 130 Millionen Jahre zurück, lagert sich das jüngste Gestein unserer Region ab: der Puez - Mergel, ein weiches, grau-grünliches Gestein.
Die geologische Geschichte von 250 Millionen Jahren
Die Dolomiten, allgemein berühmt für die beeindruckende Umgebung und für das wissenschaftliche Interesse, verfügen über eindrucksvolle Naturlandschaften, einzigartig auf unserem Planeten. Die lange und komplexe geologische und geomorphologische Geschichte dieser Region hat jenes typische, vielfältige und beeindruckende Landschaftsbild bestimmt, das durch imposanten senkrecht stehenden Steilwänden, Säulen und Türmen aus Gestein weißer, silbriger oder rötlicher Farbe, welche sich von grünen Hängen abheben, gekennzeichnet ist. Letztere bestehen aus dunklerem und brüchigerem Gestein und bieten Platz für Wälder, Weiden und Ortschaften. Die über das Studium der Gesteine und der Geländeformen entschlüsselten Ereignisse, die zur Evolution der Dolomitenlandschaft geführt haben, kann man mindestens bis 250 Millionen Jahre zurückverfolgen. In jener Zeit begann zwischen Europa und Afrika sich ein großer Ozean zu öffnen, bekannt bei den Geologen als Tethysmeer, wo für mehrere zehn Millionen Jahre die Ablagerung von riesigen Mengen an Sedimenten, anfangs kontinental und dann auf immer tieferen Meeresböden, stattfand. Zu Beginn der Trias, in einem Zeitraum von 20 – 30 Millionen Jahren, schwankte die Meerestiefe mehrmals und führte schubweise zum Auftauchen einiger Gebiete und zur damit verbundenen Erosion der Gesteine, die sich zuvor auf den Meeresböden gebildet hatten. Das tropische Klima dieser Periode begünstigte die Ansiedlung von Kalkalgenkolonien, die in der Lage waren, die ersten Karbonatplattformen zu bilden. Ab dem Ladin (vor 230 Millionen Jahren) begann der Meeresboden abzusinken, sogar bis zu 100 Meter in wenigen Millionen Jahren. Die aufbauenden Organismen, hauptsächlich Algen, aber auch Schwämme und Korallen, angepasst an flache, warme, sauerstoffreiche und saubere Gewässer wie jene, in denen sich die derzeitigen Korallenriffe bilden, fingen einen Kampf ums Überleben an gegen das Phänomen der Subsidenz (=Absenkung) des Meeresbodens: sie bauten innerhalb kurzer Zeit Riffe auf, welche in Richtung Meeresoberfläche wuchsen, und schafften es somit, die Absenkung auszugleichen. Vor 230 Millionen Jahren wurde die Dolomitenregion zudem von starken Ereignissen vulkanischer Tätigkeit heimgesucht, begleitet von Erdbeben, Seebeben, Meeresspiegelschwankungen und submarine Rutschungen, welche das Aussehen der Gegend veränderten: riesige Mengen an Laven, Tuffen und Vulkaniten breiteten sich längs der Abhänge der Riffe aus, verursachten deren Absterben und die Auffüllung der tiefen Meeresarme, die zwischen ihnen verliefen. Diese hauptsächlich feinkörnigen Sedimente bildeten den Ursprung jener Gesteine, die an der Basis der Felswände aller wichtigsten Dolomiten-Gruppen zu finden sind, die aus fruchtbaren, grasbewachsenen Hängen bestehen. Die darauf folgenden ruhigeren Phasen, in der Zeit zwischen Ende des Ladin und Beginn des Karn (vor 227 Millionen Jahren) belegt, ermöglichten eine Wiederherstellung von günstigen Umweltbedingungen für das Ansiedeln neuer aufbauenden Organismen. Die fast vollkommene Abwesenheit von Subsidenz-Phänomenen erlaubte einen mächtigen Zuwachs der Riffe, die sich dieses Mal seitlich auch über die terrigenen Sedimente ausdehnen konnten. Diese Entwicklung wurde Ende des Karn unterbrochen, ca. vor 224 Millionen Jahren, als sich das Meer zurückzog und die Dolomitenregion ein flacher, weiter, zum Teil Küsten- und zum Teil Lagunenbereich wurde, wo sich neues Gesteinsverwitterungsmaterial ablagerte, das die heutige Raibl-Formation bildet. Mit dem Nor (vor 223 Millionen Jahren) begann wieder das Abtiefen des Meeres und damit setzte ein neues Riffwachstum ein; es lagerte sich somit die mächtige Abfolge des Hauptdolomits ab: aus diesem bestehen die tafelartigen Erhebungen der jetzigen Dolomiten-Gruppen von Sella und Gardenazza. Ab dem Jura (vor 210 Millionen Jahren) wurde das Meer immer tiefer, es lagerten sich feinkörnige Sedimente ab: in der Dolomitenregion findet man diese nur gelegentlich, da sie durch die darauf folgende Phase der Hebung der alpinen Gebirgskette erodiert (abgetragen) wurden. Dieses Phänomen, als alpine Orogenese bekannt, wird durch die Bewegungen der Erdkruste verursacht, welche zu Beginn der Kreide den afrikanischen und den europäischen Kontinent zur Annäherung führten: Schritt für Schritt verursachten sie zuerst die Schließung des Thetysmeeres und darauf folgend die eigentlich wirkliche Kollision der zwei Kontinente. In den östlichen und zentralen Dolomiten sind die ersten orogenen Phasen dem Eozän (vor 58-57 Millionen Jahren) zuzuordnen; diese Hebung setzt sich heute immer noch fort, wenn gleich mit geringerer Intensität und tendiert dazu, das Mittelmeeres zu schließen.
Die Modellierung der Landschaft in den letzten zwei Millionen Jahren
Nachdem die Dolomitenerhebungen aus dem Meer aufgetaucht waren, wurden sie in Tausenden von Jahren durch atmosphärische Einflüsse, von der Schwerkraft, vom fließenden Wasser, vom Eis, gemeißelt und modelliert und verwandelten sich dadurch, nach Le Corbusier, in das schönste architektonische Kunstwerk der Welt. Diese Einwirkungen ereigneten sich zudem unter ziemlich unterschiedlichen klimatischen Bedingungen. In den letzten zwei Millionen Jahren nämlich wechselten sich gemäßigte Perioden aufeinander, wie die derzeitigen, und glaziale Perioden ab, die unauslöschbare Spuren in der Dolomitenlandschaft hinterlassen haben. In den Alpen wurden mindestens fünf Eiszeiten nachgewiesen, welche von interglazialen Phasen unterbrochen wurden. Diese kalten Phasen, welche jährliche Durchschnittstemperaturen aufweisen, die ca. sechs – acht Grad Celsius niedriger waren als die heutigen, entsprechen den großen „alpinen“ Eiszeiten: Donau, Günz, Mindel, Riss, Würm. Die Alpen lagen während der letzten großen Vereisung (LGM), die vor ca. 15.000 endete, unter einer ausgedehnten Eisdecke begraben, aus der nur die höchsten und spitzesten Gipfel herausragten. Während der Eiszeiten war die Landschaft der Alta Badia von Eismassen gekennzeichnet, welche in die Haupttäler vollkommen eindrangen und durch das Grödner Joch, Campolongo und Valparola-Falzarego Pass mit den Eismassen der Nachbartälern in Verbindung standen. Dieses „Gletscherüberfließen“ ist durch Gesteinsschutt allochthoner (fremder) Herkunft bewiesen, der etwas höher als die Dolomitenpässe abgelagert wurde; z.B. wurden wenig oberhalb des Grödner Joches metamorphe Gesteinsbruchstücke gefunden, die vom Pustertal her stammen. Die Fließrichtung dieser mächtigen Eismassen musste daher vom Pustertal in Richtung La Villa gehen (durch das Gadertal) und vom Eisacktal Richtung Corvara (über das Grödner Joch).
Die höchsten Teile der Dolomitenhochebenen mussten zur gleichen Zeit lokale Gletscher beheimaten, welche über die Hochebene glitten und mit den Hauptgletscherzungen zusammenflossen. Diese Eismassen waren in der Lage, kleine Kargebiete in die dolomitischen Gesteine zu meißeln. Seit 10.000 Jahren mit ausgeklungenen eiszeitlichen Bedingungen, die heute nur mehr auf der Marmolada andauern, hat die Umgebung wieder begonnen, sich auf heutige Verhältnisse einzustellen, dank der Arbeit von schwerkraftbedingten Prozessen, vom fließenden Wasser, vom Schnee und von Frost und Tau. Es haben bedeutende Massenbewegungsprozesse stattgefunden durch das Einstürzen der dolomitischen Wände oder durch Rutsch- oder Fließbewegungen auf Hängen mit Bodenauflage. Die Mehrzahl der großen Massenbewegungen in der Dolomitenregion fanden gerade in der Phase des Gletscherrückzuges statt. In den höher gelegenen Gebieten über 2200 m kann man eine Reihe von Formen beobachten, deren Entstehen an die Gegenwart von Schnee und Effekten der Frost-Tau-Zyklen gebunden ist. Unter den häufigsten Erscheinungen kann man die Nivomoränen nennen, lang gezogene oder wellenförmige Wälle, vorwiegend hangparallel, die an das Gleiten von Schuttmaterial über eine verschneite, ziemlich steile Oberfläche gebunden sind, oder die großen Schuttanhäufungen, die an der Basis der senkrechten, steilen dolomitischen Felswände auffindbar sind und die Umgebung wie eine Mondlandschaft aussehen lassen. |
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